Triebfeder der Kunst Ralf Sommers ist der Spaß am Malen, die Freude am Malen und das Umsetzen des Bildes in seinem Kopf in Farbe, Pinselstrich und Leinwand. Er sagt, dass er malt, weil er malen will und es kann. Dabei bedeutet ihm die Malerei das Beherrschen des Handwerks, das Bodenständige. So sind seine Bilder überwiegend konventionell in Öl oder Acryl gemalt.

Es ist ihm ein Bedürfnis, uns mit Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen und die er beherrscht, Menschen, Geschichten, Dinge und Emotionen zu zeigen, die uns sonst verborgen blieben. Der Betrachter der Bilder soll dadurch etwas in sich aufnehmen und es soll ihn so innerlich bereichern, dass er verändert wird.

Das ist das Ziel Ralf Sommers: Etwas zu verändern, dass im Betrachter seiner Bilder bleibt und es ist sein Wunsch seit Kindheitstagen, dass auf diese Weise etwas von ihm bleibt, wenn er abtritt, wovor er keine Angst hat. Er wünscht sich -und wer will sich ihm nicht anschließen- ein kleines bisschen Unsterblichkeit.

Vorgehensweise bis zum fertigen Bild

Ein Motiv zu finden, ist für Ralf Sommer kein Problem. Sein Kopf ist voll von Motiven, ein noch für Jahrzehnte ausreichendes Motivarchiv, dass täglich ergänzt und erweitert wird. Dabei verlässt er sich auf seine Erinnerung und stützt diese nicht durch Skizzen oder Fotografien.

Er malt zunächst das Bild im Kopf, fertig, mit allen Einzelheiten. Und so, wie es sich im Kopf abgebildet hat, wird es auch gemalt, nach Möglichkeit ungestört und sehr zügig. Dann wird das Bild weggestellt, um räumliche und auch zeitliche Distanz zu schaffen, die Ralf Sommer braucht, die Leidenschaft bei der Malerei und das Bild selbstkritisch zu beurteilen. Er schildert den Vorgang wie beim Beantworten eines Briefs, über dessen Ton und Inhalt man sehr verärgert ist. Wenn man über dem Entwurf der ersten Antwort schläft, wird man ihn am nächsten Tag anders schreiben. So verfährt er nach dem ersten Malen.

Und so überarbeitet er viele seiner Bilder nach und nach, was Tage, Wochen, Monate oder Jahre dauern kann. Solange etwas nachzuarbeiten oder nachzuverarbeiten ist, kann sich Ralf Sommer nicht vom Bild trennen. Erst, wenn er sich inhaltlich und räumlich trennen kann, ist es fertiggemalt, hat der Prozess der Auseinandersetzung mit dem Bild aufgehört und er kann es fremden Augen und Händen überlassen.

Dieser Prozess ist aber nicht stetig, sondern kann auch abgebrochen und neu aufgenommen werden, wenn Jahre später das Dargestellte anders empfunden wird. Dann wird das Bild teilweise übermalt, um eine Farbe oder einen Hintergrund ergänzt und stimmig mit seiner Empfindung gemacht.

Für sich selbst hat Ralf Sommer festgestellt, dass seine frühere Aggressivität, die sich im Malen von auch (sehr) Provokativem äußerte, mit dem Wegfall von Sorgen um Familie und Kinder nachgelassen hat. Er hat den Weg von innerer zu äußerer Ruhe gefunden. Und ich darf wohl, weil wir ein Jahrgang sind, ergänzen, es wird sich ein erster Schatten von Altersmilde, quasi als abdämpfendes Licht, eingemischt haben.

Unterschiedliche Bildinhalte

Es werden Ihnen hier unterschiedliche Inhalte der Malerei Ralf Sommers entgegentreten.

Autobiografisches

Es findet sich zum Teil Autobiografisches. Ich will Sie hierzu auf das Bild „Gedankenturm“ aufmerksam machen. Die Tante, bei der Ralf Sommer aufwuchs, sagte ihm schon frühzeitig, man müsse sich bei Allem im Leben, erst recht bei auftauchenden Schwierigkeiten, einen sicheren Gedankenpunkt suchen, auch im übertragenen Sinn. Diesen Gedankenpunkt hat Ralf Sommer im Gedankenturm gesehen, einen in der Nähe stehenden massiven Telefon- oder Stromverteilungsturm. Real und virtuell hat er dort bei Stress Zuflucht gesucht und gefunden.
Oder zum Beispiel das Werk „K“, das durch die Darstellung der Rückenansicht einer Frau, Ruhe, Gelassenheit, ein Ganz-Beisich-Sein ausdrückt und tiefen Frieden beim Maler anzeigt.

Lust am Malen, Farbigkeit

Anderes zeugt von der farbenfrohen Lust am künstlerischen Darstellen. Geniessen Sie den Blick in den „Hühnerhof“, gleich hier zur Seite. Oder werfen Sie einen Blick auf die „Würfel“, bei denen die Collagetechnik angewandt wird.

Typen als Vorlage für die Geschichten des Betrachters/Emotionen

Einen Schwerpunkt bilden die Bilder, die uns Betrachtern Geschichten erzählen sollen, und zwar keine Geschichten des Malers, sondern unsere eigenen. Dazu bedient sich Ralf Sommer der Technik, keine Portraits oder bis in’s Letzte ausgearbeitete Situationen zu zeigen, sondern uns Typen, Stereotypen quasi, zum Teil auch Zeichen und Farbe für Emotionen und angedeutete Geschehnisse zu schildern, die wir selbst deuten und mit eigenen Erlebnissen füllen und ergänzen können und sollen. Das Bild, das Ralf Sommer gemalt hat, ist quasi die Leinwand zur Projektion unseres eigenen Bildes, das wir uns nach unseren ureigensten Erlebnissen und Erfahrungen ausmalen. Die Auseinandersetzung des Betrachters mit dem Bild löst so eine ganz einzigartige individuelle Geschichte und damit verbundene Emotionen im Betrachter aus – und auch dieser Prozess ist dynamisch und Veränderungen unterworfen. Hier kommen sich also Maler und Betrachter in einzigartiger Weise nahe.

Ich darf hierzu beispielhaft das Bild „Abendmahl“ nennen, mit dem Jeder wohl eine recht eindeutige Gestaltung asoziiert. Ralf Sommer zeigt uns nicht Personen, sondern überlässt es uns, die Personen und Gefühle zuzuordnen und einzusetzen. Oder „Eiszeit“, eine Szene aus einem Park in New York. Ralf Sommer hat vor ca. 15 Jahren beobachtet, wie ein Paar gemeinsam in den Park ging und dort ein ernsthaftes Gespräch führte. Getrennt verließ man den Park. Es sah danach aus, als ob das Paar nie mehr zusammenkommen werde. Diese Geschichte kann ich nur nacherzählen, zu sehen ist sie so nicht. Aber jeder kann aus dem Dargestellten eine eigene Geschichte ableiten. Der Künstler hat in dem vor rd. 3 Jahren gemalten Bild nichts so festgelegt, dass nicht auch andere Abläufe, Geschehnisse oder Haltungen möglich wären. Allenfalls der Bildtitel hilft ein bisschen. Farben, Körperhaltung und Umgebung lassen die Interpretation zu, die dem Betrachter als eigenes Erleben in den Sinn kommt. So entsteht bei dem Einen ein Bild, das nun gar nichts mit dem Bild seines Nachbarn zu tun haben muss und schon gar nicht von der vom Maler erlebten Geschichte gedeckt wird.

Oder das Bild „Die Wartende“. Auch hier lassen die Farben, Haltung und die Komposition vielerlei unterschiedliche Assoziationen mit eigenem Erlebten zu und fordern eigene Emotionen und Interpretationen heraus. Sie werden dies auch im Bild „Im Namen des Volkes“ wieder finden.

Zusammenfassendes Resümee

Ralf Sommer will mit seinen Bildern den Betrachter beeinflussen, ihn berühren und ihn verändert und bereichert zurücklassen. Es kommt ihm genau nicht darauf an, seine eigene Geschichte vom Betrachter zu hören. Der Zuschauer ist nach seiner Meinung mündig und phantasievoll genug, seine eigene Geschichte zu finden und zu sehen. Das ist eben keine Sache eines gelungenen gestalterischen Augenblicks, sondern das Ergebnis eines eher langen denn kurzen Prozesses.

Monumentale Bäume, wie Denkmäler und Mahner, Gedankentürme und andere Anhaltspunkte werden mit Menschen gemalt und gezeigt, die Emotionen wie Wut, Freude, Frivolität und Glauben ausdrücken und in denen wir uns mit unseren eigenen Geschichten wiederfinden. Bei aller Ernsthaftigkeit sollen uns die Bilder ermutigen und erfreuen.

Ralf Sommer hat sich für seine Arbeit einmal auf André Hellers Zitat bezogen, wonach die wahren Abenteuer im Kopf entstünden und seien sie nicht dort, dann seien sie nirgendwo. In diesem Sinne will ich gleich Ihren Weg in das Abenteuer mit den Bildern Ralf Sommers freigeben.